Wie verrückt darf ein Supermarkt sein? Mutige Konzepte einer Edeka-Chefin

Shownotes

Edeka-Kauffrau Sandra Treugut macht einiges anders als andere. Die Berliner Edeka-Kauffrau verwandelt schwierige Standorte in lebendige Nachbarschaftshubs: Mit Street Art, Skater-Rampen, Pickleball und Sperrmüllpartys. Klingt nach PR-Gag? Nicht bei ihr.

In dieser Folge spricht Sandra offen über Selbstzweifel, Mitarbeiterbindung, moderne Führung und darüber, warum sie sich mehr Frauen an der Spitze von Edeka wünscht.

Außerdem: Was MrBeast in ihrem Markt gemacht hat, warum manche Kunden Wortwitze feiern (Stichwort „Leergut“) und wie man mit Haltung statt Hochglanz überzeugt.

👉 Eine Folge über Mut, Marke, Markt und warum es sich lohnt, manchmal alles anders zu machen.

Transkript anzeigen

00:00:00: Zwischendurch hatte ich das Gefühl, jetzt läuft so aus dem Ruder.

00:00:03: Wahrscheinlich können wir nie wieder aufmachen.

00:00:06: Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie groß das war.

00:00:09: Das war echt ein Riesending.

00:00:11: Herzlich willkommen zu Supermarktmacher, der Podcast von LZ-Direkt.

00:00:16: Ihre Gastgeberin

00:00:18: Svenja Alberti.

00:00:19: Sie spricht mit Supermarktmacherinnen und Supermarktmachern über alles, was sie bewegt, was sie antreibt und wie sie ticken.

00:00:49: Dazu noch eine coole Socke, das kann man auf jeden Fall sagen.

00:00:53: Herzlich Willkommen Sandra Treugut.

00:00:56: Hallo, danke für die coole Socke.

00:00:58: Ja, wir kennen uns ja schon ein bisschen von den Supermarktstars, da warst du ja mal Referentin, ich war zwei Jahre, also du weißt wie wir ticken, wir wissen so ein bisschen wie du tickst und deswegen haben wir dich heute eingeladen, weil du manche Sachen anders machst und nicht so wie alle Kaufleute.

00:01:15: Und darüber wollen wir heute sprechen.

00:01:18: Vielen Dank für die Einladung, also ich freue mich.

00:01:21: Ja, das ist ein Supermarkt mit Street Art und Fingerboard-Rampe.

00:01:25: Und wer denkt, dass sei ein PR-Stern kennt?

00:01:28: Sandra Treugut nicht richtig.

00:01:29: Sie macht nämlich aus schwierigen Standorten lebendige Keats-Hubs mit Haltung und Herzblut.

00:01:34: Und dann war da noch MrBeast.

00:01:37: Doch erst einmal fangen wir mit dir an, Sandra.

00:01:40: Wer bist du?

00:01:41: Viele sagen über deinem Markt, deine Märkte bunt, laut, ungewöhnlich.

00:01:46: Wie würdest du sie und dich selbst in drei Worten beschreiben?

00:01:50: Zu den Märkten passen diese drei Adjektive auf jeden Fall.

00:01:54: Ich finde mich selber, ich finde selbsteinschätzen immer schwierig, aber ich würde sagen, ich bin eher hilfsbereit, engagiert und ziemlich bodenständig, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht.

00:02:08: Aber ja, so würde ich mich beschreiben und ich bin grundsätzlich ein offener Mensch.

00:02:14: Das

00:02:14: merkt man.

00:02:15: Ja, du hast dich im Jahr zwei Tausend Fünfzehn selbstständig gemacht.

00:02:18: Was war dabei deine Triebfeder?

00:02:21: Unabhängigkeit, Vision oder eher Frust?

00:02:25: Sehr schöne Frage.

00:02:27: Frust auf jeden Fall nicht, weil ich finde Frust in dem Zusammenhang schwieriger Motor.

00:02:33: Also klar, Frust kann auch ein guter Motor sein, aber in dem Fall Hätte es mich nicht angetrieben.

00:02:39: und Thema Unabhängigkeit auch nicht, weil ich finde, nur weil man selbstständig ist, ist man nicht automatisch unabhängig.

00:02:47: Also teilweise sogar im Gegenteil ist man ja von vielen Dingen auch abhängig und von vielen Menschen auch.

00:02:54: Damit funktioniert.

00:02:56: Deswegen würde ich mich auf jeden Fall für Vision entscheiden.

00:03:00: Weil das auch ganz wichtig ist, dass man für sich selber ein Ziel und eine Vision hat, warum oder was stelle ich mir davor, wie soll das sein?

00:03:08: Und das hatte ich schon in ziemlich frühen Jahren, dass ich gemerkt habe, oh, das würde ich gern so machen, dies würde ich gern so machen, vielleicht auch anders als die anderen, ohne natürlich zu wissen, ob das funktionieren kann oder nicht.

00:03:20: Also auch sehr blauäugig.

00:03:23: Ja, aber trotzdem, glaube ich, hast du eine klare Vorstellung gehabt schon immer.

00:03:26: Das hört sich auf jeden Fall so an.

00:03:28: Sehr schön.

00:03:29: Du bist gebürtige Westberlinerin, wie sehr prägt das denn so deine Haltung als Kaufrau im heutigen Berlin?

00:03:36: Also wenn man sich Westberlin genauer anguckt, ist es ja auch historisch gesehen statt die ziemlich dynamisch unterwegs ist.

00:03:43: Also da ist immer Bewegung, es ist immer Entwicklung und man muss immer irgendwie mitgehen.

00:03:48: Also wenn man stehen bleibt, wird man auch ziemlich schnell abgehängt.

00:03:52: Und ich glaube, dass das dem Handel auch gut tut, also unserer Branche, dass man oder wir auch als EDK treu gut immer versuchen, neue Wege zu gehen, offen zu sein und auch in Kauf zu nehmen, dass es mal nicht gut funktioniert.

00:04:06: Und dass das auch manchmal immer mitgehen zu müssen und voran zu schreiten?

00:04:11: Andererseits ist es auch so im Berlin-City-Style einfach gar nicht zu bemerken, dass man teilweise voran geht.

00:04:18: Man macht einfach oder wir machen einfach.

00:04:21: Und dann ist es so, ach ja, ist ja eigentlich eine ganz gute Idee.

00:04:23: Es entstehen viele Dinge einfach aus Synergien oder Begegnungen.

00:04:28: Und dann ist da was Neues wieder entstanden.

00:04:30: Und ich glaube, das ist so sinnbildlich auch für Berlin ganz unbewusst.

00:04:34: Hast du einen Markt im eher schwierigen Standort?

00:04:37: Hülo Straße steht eigentlich für Prostitution, Drogen und Street Art.

00:04:42: Was hast du an diesem Standort gesehen, was andere vielleicht nicht sehen wollten?

00:04:46: Was war das Potenzial für dich?

00:04:48: Das Potenzial ist für mich, dass ich finde, jeder Standort kann was.

00:04:54: Und ich finde, man kann in Anführungszeichen schwierigen Standorten viel kreativer sein.

00:05:01: Weil man kann ja auch sagen, am Ende lag es halt am Standort oder so was.

00:05:06: Aber ich finde das unheimlich spannend, wie der Kiet sich auch entwickelt.

00:05:11: Das sieht man überall in Berlin, wie sich Ortsteile verändern.

00:05:15: Das hatte ich zuletzt ja auch in Treptow, in meinem ersten Markt.

00:05:18: Das war ja auch alles etwas verschlafen am Anfang.

00:05:21: Und das ist jetzt so ein florierender Kiez, da ist so viel los.

00:05:25: Und ... der Kiez um die Bülowstraße rum, der besteht ja schon, aber auch der entwickelt sich, weil ja auch immer mehr Leute nach Berlin kommen.

00:05:34: Und ich glaub einfach, dass wir da gut unterstützen können.

00:05:40: Ja, drei Märkte in drei Kiezen.

00:05:42: Was verbindet diese Märkte und was unterscheidet sie auch grundlegend?

00:05:47: Also, unterscheiden tut auf jeden Fall immer noch, dass es wirklich verschiedene ... Also, ich würde sagen, in der Bülostraße ist wirklich so altes West-Berlin.

00:05:56: Und in Treptow und Neukölln ist viel internationales Publikum auch unterwegs.

00:06:01: Oder auch zugezogene aus ganz Deutschland.

00:06:04: Also, das ist da eher so geprägt.

00:06:08: Und was auf jeden Fall die drei Märkte verbindet, ist unser starkes Team.

00:06:12: Also wir haben ganz viele Mitarbeitende, die in allen drei Märkten tätig sein können, die man auch überall einsetzen kann, die auch schon lange mit mir zusammenarbeiten.

00:06:24: Am Ende des Tages ist es immer die Biene.

00:06:26: Die Biene ist unser Logo, ist unser Markenzeichen, weil wir, ich glaube, ich weiß jetzt nicht, ob wir der erste Markt in Deutschland waren, da will ich mich gar nicht aus dem Fenster lehnen, aber in Als der Markt noch in Regie aufgemacht hat, damals die Heidelberger Straße, hatten wir zwei Bienenvölker auf dem Dach.

00:06:45: Und so ist unser Logo damals entstanden, oder die Idee, dass wir fleißige Bienchen sind.

00:06:49: Und das ist nach wie vor so, dass die Biene unser Markenzeichen ist.

00:06:55: Und es gibt sogar Mitarbeiter, die das als Tattoo tragen.

00:06:59: Das habe ich auch schon gehört.

00:07:00: Die hast du ja verrückt.

00:07:01: Aber so eine flotte Biene treibt ja sicherlich auch an.

00:07:04: Das ist doch sehr motivierend.

00:07:08: Gab es so einen Moment, in dem du dachtest, das war jetzt doch zu viel?

00:07:13: Oder wie gehst du mit Zweifeln um?

00:07:15: Hast du überhaupt Zweifel?

00:07:16: Ja, Zweifel habe ich und ich habe öfter mal, ich habe aber mit den Jahren gelernt, dass so eine zweifelnde Phase auch zu Kreativität führen kann.

00:07:27: Also ich kann mich da auch so ein richtiges Tal begeben.

00:07:31: und kommen dann aber meist ziemlich gestärkt daraus.

00:07:35: Habe ich anfangs nicht so wahrgenommen, dass das was Gutes sein könnte.

00:07:41: Mir zu aber mit den Jahren merke ich, dass ich die Phasen auch tatsächlich brauche.

00:07:45: Also es ist ganz gut auch mal zu zweifeln, weil man sich dann auch mal ein Stück rausnimmt oder zurücknimmt und mehr von außen betrachtet.

00:07:52: Und es soll auch so sein.

00:07:54: Und ich finde, oder ich denke, dass wir alle auch mal zweifeln, aber es geht immer weiter.

00:08:00: Ich glaube, man erkennt vielleicht in solchen Phasen auch, was man wirklich richtig gut kann und konzentriert sich vielleicht wieder auf die wesentlichen Dinge.

00:08:08: So erleb ich das manchmal.

00:08:09: Genau, genau.

00:08:12: Jetzt hast du deine Märkte tatsächlich als Marke aufgebaut, so von Milky Babes, Frosty Stuff.

00:08:18: Deine Sortimente im Markt sind halt voller Wortwitz auch.

00:08:22: Wie wichtig ist denn Humor im Handel für dich?

00:08:26: Total wichtig.

00:08:28: Wer mich besser kennt, weiß, dass ich sowieso gerne lache.

00:08:32: Also ich kann auch anders, aber ich lache wirklich unheimlich gerne.

00:08:36: Und dieser Wortwitz ist gerade in der Bülostraße, wo ich mich ja wirklich komplett entfaltet hab.

00:08:41: Also das war ja so ein Markt, wo ich das alles umsetzen wollte.

00:08:46: Ich glaub, mein Favorite ist nach wie vor ... Leergut, also Treugut, das Treu durchgestrichen und dafür Leergut, weil ich einfach finde, ich hoffe ja immer, dass die Kunden das auch alles so wahrnehmen, weil ich finde, wenn ich in dem Markt sowas sehe, dann hat sich der Händler oder die Händlerin wirklich damit beschäftigt.

00:09:08: Ja, dann denke ich immer so, da steckt so viel Herzblut drin, wenn man jetzt nicht so ein Markt vom Fließband hat.

00:09:13: Hat auch alles seine Berechtigung, ne?

00:09:15: Aber ich bin ich gar nicht dagegen.

00:09:17: Aber ich hab's gern individuell und ich lieb das, wenn ich so was sehe, auch in anderen Märkten und dann feststellen kann, oder hat sich einer wirklich damit beschäftigt, was möchte ich sagen, was möchte ich zeigen und ein bisschen schönes Shoppen ermöglichen.

00:09:34: Ja, du möchtest deine Kunden ansprechen und ich denke, sie fühlen sich dadurch auch angesprochen, oder?

00:09:39: Ja, ich denke auch.

00:09:40: Also der Großteil schon.

00:09:42: Also die schmunzen wir dann auch schon mal.

00:09:43: Das finde ich ganz gut.

00:09:45: Sehr schön.

00:09:46: Street Art, Graffiti, Skater.

00:09:47: Dein Markt ist auch eine Galerie.

00:09:49: Sehr schrill, sehr bunt.

00:09:51: War das Kalkül oder wirklich Chaos mit Konzept?

00:09:53: Hast du dir das genauso ausgedacht oder hat es das vielleicht auch schrittweise entstanden?

00:09:59: Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem.

00:10:01: Also, was auf jeden Fall für mich von Anfang an klar war, ist, dass der Markt in der Bülostraße Street Art haben muss.

00:10:09: Weil auf der Bülostraße, also die Bülostraße ist in West-Berlin Sinnbild für Street Art.

00:10:15: Also, wenn man die Straße lang fährt, da ist überall Street Art, da sind Galerien.

00:10:20: Also, das war für mich total klar, dass das dort passieren muss, was aber am Ende direkt an welche Wand kommt.

00:10:27: Das war kreatives Chaos.

00:10:30: Das ist auch dem geschuldet, dass ich mit einem Freund von mir, der Inca One, der nennt sich so, Stefan, der hat das mit uns zusammenarbeitet und der ist so eine richtige West-Berliner Atze.

00:10:45: Also mit dem steht man dann an der Wand und sagt, was machen wir da?

00:10:49: Na da wär doch cool, wenn wir ditt und ditt machen.

00:10:51: Oh, da hab ich noch ne Idee, da könnten wir noch ditt und ditt machen.

00:10:53: Oh ja, voll cool, ja, ditt machen wir.

00:10:55: Wann wollen wir ditt machen?

00:10:56: Wollen wir gleich anfangen?

00:10:57: Ja, machen wir gleich.

00:10:59: Und das ist halt ... und so was liebig.

00:11:03: Genau, so was liebig.

00:11:05: Und dann geht man abends ins Bett und denkt so, da hab ich noch ne Idee.

00:11:09: Und er kommt auch noch ne Idee in den Markt und dann ... entsteht total viel.

00:11:14: und man denkt zwischendurch so oder ich dachte oh Gott ob das am Ende alles fertig wird und rechtzeitig.

00:11:19: und das ist wirklich also so was von cool geworden am ende.

00:11:25: ja dass ich mir also ich hätte mir nicht besser vorstellen können ich total

00:11:29: also freust du dich jeden tag auch wieder drüber.

00:11:31: ja ich finde den.

00:11:31: also ich finde den markt so wunderschön.

00:11:33: also der ist so weiß ich nicht.

00:11:36: Ich finde das einfach toll.

00:11:38: Das ist glaube ich auch wichtig, dass man das, was man selbst macht, auch toll findet und sich jeden Tag darüber freuen kann.

00:11:45: Das Bild so vom Bienenstock und die Flotte Biene zieht sich auch bei euch durch alles.

00:11:50: Das hast du eben schon angesprochen.

00:11:52: Was bedeutet das denn so für den Alltag mit dem Team und den Kunden?

00:11:57: Ja, die Biene, also was natürlich schade ist, dass wir diese Bienenvölker nicht mehr haben.

00:12:02: Ja, das ist natürlich schade, das ist aber dem Ort auf dem Supermarktdach geschuldet.

00:12:09: Da war das auch ziemlich laut und die Kälteanlage hat da rausgeblasen.

00:12:14: Also das war für die Bienen einfach nicht gut.

00:12:16: Die haben sich da irgendwie gegenseitig umgebracht und wir haben die leider nicht mehr.

00:12:21: Grundsätzlich ist aber der Teamgedanke und dieser Zusammenhalt, der ist nach wie vor ... Also klar, die Fluktuation unter den Mitarbeitenden ist höher als vielleicht noch vor zehn Jahren.

00:12:32: Ich denke, das stellen alle im Handelfest ab.

00:12:35: Der Kern, das Team ist immer noch da und versucht auch weiter, den anderen alles beizubringen.

00:12:41: Und der Fleiß ist auch nach wie vor da, sonst hätten wir auch keinen Erfolg.

00:12:45: Und das merkt man auch einfach.

00:12:47: Und da sagen wir auch nach wie vor, wir sind das Bienhauptquartier, wir sind, weiß ich nicht, also ...

00:12:53: Wir arbeiten alle für euer Volk, für eure Familie.

00:12:56: Genau,

00:12:57: genau.

00:12:57: Sehr gut.

00:12:59: Ja, du veranstaltest auch Poetry, Slams, Gate-Events, Spermeln, Märkte.

00:13:04: Was bringen diese Aktionen denn so jenseits vom PR-Wert?

00:13:07: Ja, also ich finde ja, das ist ... Ach, wir haben übrigens morgen ... Nee, morgen haben wir wieder Spermelflohmarkt, fällt mir gerade ein.

00:13:14: Muss man sich das vorstellen, wo kommt der Spermüll

00:13:16: her?

00:13:16: Der Spermüll kommt aus dem Kiez.

00:13:18: Also, das wird so propagiert schon vorher.

00:13:21: Da kommen dann zwei oder vier, je nachdem, wie viel wir gebucht haben, zusammen mit dem Kiez Spermüllautos.

00:13:29: Dann werden die Sachen ... Der Parkplatz wird abgesperrt.

00:13:32: Dort kann jeder seinen Sperrmüll hinbringen.

00:13:34: Wenn ich z.B.

00:13:35: sage, diese alte Kommode möchte ich nicht mehr haben, aber vielleicht möchte sie jemand anders noch haben.

00:13:41: Man glaubt es kaum, aber es wird wirklich viel getauscht gewechselt.

00:13:45: Das ist echt witzig.

00:13:47: Es sind auch coole Sachen mitunter dabei, wo man denkt, warum wollen sie denn das loswerden?

00:13:51: Auch nämlich mit so, ne?

00:13:53: Das ist so die Kultur.

00:13:54: Was dann aber wirklich wegkommt, das wird dann direkt weggepresst.

00:13:59: Ja, das ist ja super.

00:14:00: Das muss man natürlich auch sehen.

00:14:03: Es liegt ja in Berlin viel auf der Straße rum, also Matratzen, Krempel.

00:14:07: Und das ist schon eine Kultur, die im Kiez gelebt wird, dass es alles versucht wird, sauber zu halten.

00:14:13: Und diese Sperrmüll-Tage war uns auf dem Parkplatz, die dienen auch der Sauberkeit einfach im Kiez, dass das alles so ein bisschen halb bleibt.

00:14:23: Genau, als Kaufrau sagst, auch dafür, dass das Viertel in Ordnung ist.

00:14:27: Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, muss man ganz klar sagen.

00:14:31: Also es ist wirklich schwierig.

00:14:33: Aber zum Thema, ob es sich lohnt oder was am Ende bei rauskommt, ich finde, man muss es nachhaltiger betrachten.

00:14:42: Also ich kann jetzt, wie jetzt am Wochenende, so ein Kiez fest.

00:14:47: Das kostet natürlich erst mal Geld, aber es macht eine total gute Stimmung.

00:14:51: Man hat wieder ganz viele Leute aus dem Kiez abgeholt, man hat persönliche Gespräche, man hört mal, was die vielleicht sich wünschen oder was sie besonders gut finden.

00:15:01: Und man merkt dann immer so in den Wochen danach schon auch Umsatz zu wechseln oder wieder mehr, also die Zugehörigkeit ist wieder mehr da.

00:15:09: Und wir sind wirklich so ein Markt, Die Menschen kommen zu uns, tauschen sich aus.

00:15:18: Wir sind schon sehr der Mittelpunkt in dieser Nachbarschaft.

00:15:22: Kannst du noch mal erläutern, dass Kiez fest, was macht ihr da genau?

00:15:25: Also auf eurem Parkplatz findet ein Fest statt.

00:15:28: Und es richtet ihr tatsächlich aus, oder?

00:15:31: Also wir haben zweimal, also mittlerweile machen wir zweimal im Jahr was.

00:15:34: Wir machen im Juni zur Sommersonnen-Wende die Fetteler Musik.

00:15:39: Das ist ja, ich glaube, das ist ja ... Mittlerweile ist Europa weit, das weiß ich jetzt gar nicht so genau.

00:15:46: Aber am einundzwanzigsten, sechsten, machen wir immer eine Live-Bühne mit verschiedenen Bands.

00:15:51: Und je nach dem Flohmarktgrillen, also was unsere Kapazität so hergibt.

00:15:56: Und im August oder September ist immer Baumscheiben fest.

00:16:00: Das ist bei uns im Kiez, da gibt es den gollenden Gartenswerk.

00:16:05: Da wird die schönste Baumscheibe gekürt.

00:16:08: Also die Baumscheibe ist das, ein Straßenbaum herum ist.

00:16:12: Und den kann man sich im Kiez eine Baumscheibe einfach schnappen und bepflanzen und sich um diese Baumscheibe kümmern.

00:16:20: Und zum Baumscheibenfest wird dann gekürt, wer die schönste Baumscheibe hat.

00:16:25: Und das muss natürlich gefeiert werden.

00:16:27: Dann gibt es gibt es verschiedene Punkte im Kiez, unter anderem den Edeka Parkplatz, da ist auch live Musik und diesmal gab es Pickleball für alle.

00:16:38: Wir haben auch jetzt zwei Pickleballplätze auf dem Parkplatz.

00:16:42: So viel zum Thema, man muss immer ein bisschen, oder ich möchte immer neue Ideen ausprobieren.

00:16:49: In dem Fall ist es jetzt Bickelboy gerade.

00:16:51: Und ja, das ist im Kiez, wird es baumsscheibenfest immer mit einem Auftakt gefeiert.

00:16:57: Der findet auch auf unserem Parkplatz statt.

00:16:59: Das ist das Open-Air-Kino am Abend davor.

00:17:03: Da wird der Strom erzeugt über Fahrräder.

00:17:07: Ja, also das sind immer, ich will damit sagen, Wir machen wirklich alle verrückten Sachen mit oder auch nicht verrückte Sachen, weil im Kiez ist es jetzt schon totale Normalität.

00:17:17: Aber für uns ist wichtig, dass wir den Menschen was zurückgeben und dass die Spaß haben.

00:17:21: Und wir tanzen dann auch wirklich alle zusammen vor der Bühne, alle haben gute Laune, alle sind gut versorgt.

00:17:27: Und es macht einfach so einen Spaß.

00:17:29: Und es gibt gerade jetzt in den Zeiten, wo es für alle irgendwie schwierig ist und viele Menschen Ängste haben vor dem, was eventuell kommt oder ... Wie überhaupt die Lage in der Welt ist, macht das einfach mal so ein Mini-Urlaub.

00:17:42: Das hat eine Kundin wirklich zu mir gesagt, die hat mich so in Arm genommen und hat gesagt, danke für diesen Mini-Urlaub.

00:17:48: Ja, und das finde ich halt total super sowas.

00:17:51: Das sind Momente, die muss man sich auch selber einfach mal vor Augen halten, wofür man das alles macht.

00:17:58: Also du tust wirklich viel nicht nur für deine Kunden, sondern eben auch für den Kiez.

00:18:02: Du denkst auch Nachhaltigkeit.

00:18:05: ganz konkret und verpackt Taschenbaum, Lastenrat, wie gelingt es, Haltung und Alltag so zu vereinen?

00:18:12: Machst du dir ständig Gedanken oder du hast ja eben auch gesagt, ich mach dann einfach, wie funktioniert das?

00:18:20: Ja, eigentlich ist es so, ich mach dann einfach.

00:18:23: Also ich mach mir über viele Dinge gar nicht so viele Gedanken, warum ich das jetzt so mache.

00:18:28: Also es steckt nicht immer ein Kalkül dahinter.

00:18:32: Deswegen Ich find's immer gut, wenn so Ideen auch ... ja, vielleicht abgeguckt werden.

00:18:39: Ich bin da überhaupt nicht dagegen im Gegenteil.

00:18:41: Ich denk dann immer so auch schön, dass die das jetzt auch gemacht haben, oder auch guck mal, die haben jetzt auch graffit, die auch guck mal, die machen jetzt auch Events oder so.

00:18:50: Find ich total super.

00:18:53: Macht das aber irgendwie so aus dem Bauch heraus ganz viel.

00:18:57: Ich hab ganz viel Energie aus diesem ... Was könnte man denn da noch machen?

00:19:01: Oder aus Gesprächen mit anderen Menschen kommen mir plötzlich irgendwelche Ideen und das mache ich dann einfach.

00:19:07: Ich glaube, wenn das jemand nachmacht, kann das auch nie so genau machen wie du es machst, weil ja letztendlich auch immer die Persönlichkeit eine Rolle spielt und jeder interpretiert es dann vielleicht auch wieder anders.

00:19:18: Also du wirst ja trotzdem unig bleiben.

00:19:21: Okay.

00:19:23: Stell dich mir so vor.

00:19:26: Du arbeitest auch, wenn wir jetzt mal aufs Team gehen, wie du dein Team zusammenstellst mit Influencer-Kampagnen, so fürs Recruiting, passt ja auch zu dir, ist eine moderne.

00:19:37: Was muss man denn tun damit junge Leute sagen, ich will supermarkt, ich will zu treu gut?

00:19:42: Das

00:19:42: ist, glaube ich, wirklich die Frage, die uns alle umtreibt und mit allem meine Händlerin und Händler heutzutage.

00:19:49: Und das ist auch das, was wir am meisten diskutieren.

00:19:52: Was können wir tun, damit wir Nachwuchs finden, damit Leute Menschen Bock auf Handel haben.

00:19:58: Und ich finde, das ist wirklich schwer,

00:20:01: ohne

00:20:01: was vorzumachen.

00:20:05: Wie du schon gesagt hast, wir probieren ja wirklich auch alles aus und möchte nur den jungen Menschen nicht irgendeinen Quatsch erzählen.

00:20:13: Also jetzt zu sagen, das ist alles total toll und das ist ganz einfach und wir sind immer alle gut gelaunt und die Kunden sind immer alle ... Nicht!

00:20:22: Und alles ist immer schön.

00:20:24: Also ich meine, es ist auch ein anstrengender Beruf.

00:20:27: Es ist auch körperlich schwer.

00:20:29: Ich möchte das trotzdem authentisch rüberbringen, weil ich habe auch in so gerade Führungskräfte Nachwuchs.

00:20:37: Die haben mitunter merkwürdige Ansprüche.

00:20:39: Also merkwürdig im Sinne von okay, ja, so habe ich es noch gar nicht gesehen.

00:20:44: Es ist jetzt angesagt.

00:20:45: Wir wissen aber alle, dass man viele Stunden investieren muss, dass man oft... Nicht nur ein extra Meter gehen muss, sondern vielleicht fünf extra Meter, dass man oft einspringen muss für Kollegen, Kolleginnen, dass es einfach auch wirklich anstrengend ist und nicht nur witzig und schön.

00:21:05: Und wir machen den ganzen Tag nur tolle Sachen, sondern wir haben ja auch einen schwierigen Job mitunter.

00:21:12: Und das zu vermitteln, ist, glaube ich, auch die Crux, weil diese ganzen Benefits, das machen wir mittlerweile alle.

00:21:17: Und ich glaube, Es werden auch gute Gehälter gezahlt, sofern es möglich ist.

00:21:24: Ich glaube nicht, dass das noch was Besonderes ist.

00:21:28: Man muss wirklich authentisch sein.

00:21:30: Ich glaube, die Verbindung zum Unternehmen ist wichtig, dass man gerne für den Edeka-Händler die Edeka-Händerin arbeitet und sich zum Team dazugehörig fühlt.

00:21:40: Das ist ganz wichtig.

00:21:42: Wie man das im Einzelnen rüberbringt, also ganz ehrlich, ich bin da auch.

00:21:46: irgendwie überfragt.

00:21:48: Aber ich versuche, an den Menschen dran zu sein und unsere Führungskräfte auch dahingehend zu pushen.

00:21:53: Aber wir wissen auch alle, dass es einfach nicht schwierig, weil zu Tage ist.

00:21:58: Weil Work-Life-Balance immer wichtiger wird.

00:22:00: Ja, aber ich glaube, ganz wichtig, was du sagst, ist die Authentizität.

00:22:04: Und dass man wirklich das vorfindet, was einem versprochen wird.

00:22:09: Ich glaube, damit geht ihr schon den richtigen Schritt.

00:22:14: Was bedeutet denn für dich, eine gute Arbeitgeberin zu sein?

00:22:18: Und wie zeigst du das im Alltag?

00:22:20: Also für mich ist ganz wichtig, was ich gerade auch schon angesprochen habe, dieser Zusammenhalt.

00:22:26: Also natürlich, also wichtig ist, finde ich, für die Mitarbeitenden da zu sein.

00:22:32: Also, dass sie das Gefühl haben, sie sind nicht alleine gelassen.

00:22:35: Und wenn jemanden Anliegen hat, dass, also selbst wenn es jetzt Ich nicht, ich bin auf jeden Fall die Marktleitung oder ich als Arbeitgeberin.

00:22:46: Wenn mich jemand fragt, haben Sie mal fünf Minuten für mich oder können wir einen Termin zu einem Gespräch machen oder, oder, oder, ich werde nie nein sagen.

00:22:54: Also ich bin immer für die da und versuche, Probleme zu lösen, was jetzt nicht heißt, dass ich zu allem Ja und Amen sage, aber ich bin grundsätzlich immer bereit, da zu sein und ich stehe auch hinter meinen Leuten.

00:23:07: Also ... Und ich finde, das ist unheimlich wichtig, dass man sich da sicher und geborgen fühlt und natürlich auch wieder den Faden verloren.

00:23:18: Aber ich finde,

00:23:19: dass das schon wirklich unheimlich wichtig ist.

00:23:21: Natürlich von Gehaltstrukturen, Arbeitszeiten, Wunscherfüllung, das ist auch alles irrsinnig wichtig.

00:23:26: Aber am Ende des Tages,

00:23:28: wenn man

00:23:28: sich nicht wohlfühlt, da kann man noch so viel Geld dort bekommen.

00:23:32: Wenn man da nicht mehr hingehen möchte, dann ist der Wechsel vorprogrammiert.

00:23:36: Und die innerliche Kündigung, das ist jedenfalls meine Meinung.

00:23:40: Ja, manchmal passen ja auch Leute nicht zusammen, aber klar, man muss sich da wohlfühlen, was man macht.

00:23:46: Kommen wir noch mal zu Marken.

00:23:47: Du sagst, Marken sind emotionale Anker.

00:23:50: Was erwarten denn ... erwartest du von Herstellern heute?

00:23:54: Ich

00:23:54: erwarte von Herstellern, dass die mal mit ihren ... also, dass die innovativer sind.

00:24:00: Also, ich möchte von den Marken gerne mal sehen, dass die voranschreiten und sagen, wir haben das zuerst erfunden.

00:24:07: Mhm.

00:24:07: Ja, weil ich sehe ganz oft so ... Monate später irgendwelche Erfindungen.

00:24:15: Wo ich dann noch denke, das hättet ihr aber eher rausbringen können.

00:24:20: Da frage ich mich immer, warum das noch so ... teilweise wahrscheinlich verkrustete, altbackene Strukturen sind.

00:24:27: Vielleicht muss da mal ein bisschen frischer Wind rein oder so was.

00:24:30: Weil ich denke, gerade die Marken haben doch die Power und den Background.

00:24:35: Also schneller und auch ruhig innovativer und sich mal was trauen.

00:24:38: Genau.

00:24:40: Sehr gut gesagt, ja.

00:24:42: Coca-Cola gibt es so in allen Varianten.

00:24:44: Goodbank-Balls aus Hydroponik.

00:24:46: Wie balancierst du so den Mainstream und Innovation?

00:24:50: Ich glaube, das geht ganz gut, weil ich selber bin ja auch irgendwie Mainstream und Innovation.

00:24:55: Also ich mische das alles.

00:24:55: Das hast du sehr schön gesagt.

00:24:58: Und ich finde, so ist Berlin, so sind die Märkte.

00:25:02: Es ist ganz viel Mainstream und ganz viel Neues.

00:25:05: Und ich glaub, ich bin einfach vom Wesen auch so.

00:25:08: Also du ...

00:25:10: Du erkennst einfach, das ist gut vom Mainstream.

00:25:12: Und das als Innovation, das brauch ich auch unbedingt im Markt.

00:25:15: Ja,

00:25:15: was nicht immer heißt, dass das gleich funktioniert.

00:25:18: Also, meine Führungskräfte würden jetzt mit den Augen rollen und sagen, was hat's denn da jetzt wieder?

00:25:23: Na, mal sehen, ob das klappt.

00:25:25: Weil ich hab auch schon ... Ich finde ja auch ganz viele Sachen gut, die dann nicht funktionieren.

00:25:31: Aber das Risiko gehe ich ein.

00:25:33: Schön, also ausprobieren.

00:25:35: Was war so die letzte Sortimentsidee, auf die du besonders stolz bist?

00:25:41: Ja, da gibt es leider keine.

00:25:43: Das tut

00:25:44: mir leid.

00:25:44: Das überlässt du deinen Führungskräften.

00:25:46: Also in dem Fall wirklich, ich bin aber überrascht, weil ich diese Sortimentssache, also natürlich, wenn ich irgendwas Neues haben möchte oder ... Mit irgendwie einem Zusammensitze, wo ich total von überzeugt bin, dann möchte ich das natürlich auch haben.

00:26:02: Aber grundsätzlich kümmern sich die Marktleiterinnen und Marktleiter um Sortiment.

00:26:08: Aber was nicht heißt, dass ich jetzt keine Ahnung mehr habe oder so was, aber die haben da wirklich freie Hand.

00:26:13: Und ich muss sagen, die machen das echt gut.

00:26:15: Also... Das

00:26:16: reicht ja dann auch.

00:26:19: So, jetzt aber doch mal zurück zu MrBeast.

00:26:21: Das ist ein erfolgreicher amerikanischer YouTuber und der war bei dir im Markt.

00:26:26: Was war da los?

00:26:26: Warum war der da?

00:26:27: Was hat er gemacht?

00:26:29: Ja, der MrBeast hat einen Markt gesucht in Berlin, wo er seine Schokolade promoten konnte.

00:26:35: Ich muss gestehen, ich kannte natürlich MrBeast nicht.

00:26:38: Also Asche auf meinen Haupt, aber ich bin vielleicht auch nicht die Zielgruppe.

00:26:43: Aber ich hab ihn dann kennengelernt und er ist tatsächlich der erfolgreichste YouTuber und hat mir dann auch Videos von ihm angeschaut.

00:26:51: Ja, und er hat bei uns den Markt leer gekauft und hat die Artikel, die er gekauft hat, an dem Tag mit einem Haufen Influencern aus Deutschland, hat er gespendet, also an verschiedene Organisationen.

00:27:06: Das war auch vorher alles so ... durchgeplant, wer das bekommt, weil ich meine, sonst hätten wir das auch gar nicht machen können.

00:27:12: Also das war auch im Vorfeld schon ganz schön viel Arbeit und natürlich auch die Nachbereitung.

00:27:19: Wir waren echt gut organisiert, also zwischendurch hatte ich das Gefühl, okay, jetzt läuft so aus dem Ruder, wahrscheinlich können wir nie wieder aufmachen oder irgendjemand kommt jetzt gleich zu Schaden.

00:27:31: Aber das habt ihr mit organisiert?

00:27:33: Also ihr habt organisiert, wem das spendet und dass die Spenden dann auch da hinkommen?

00:27:37: Nein,

00:27:37: das hat sein Team gemacht.

00:27:40: Also er hat sich hier ein nationales Team auch vor Ort und natürlich seine Leute aus den USA, die kamen auch hierher.

00:27:49: Wir haben organisiert, dass wir den Laden wieder vollkriegen und natürlich waren wir unterstützend tätig, wie man die ganze Ware hier aus dem Markt rausbekommen kann.

00:27:57: Und da hat wirklich die ganze Ware alles alles alles alles leer gekauft.

00:28:00: Außer

00:28:01: Alkohol und Tabak.

00:28:02: Das war außen vor, aber der Rest war also der Laden war komplett leer.

00:28:07: Und dann hattet ihr schon vorher alles wieder eingekauft, dass ihr am nächsten Tag einräumen könnt oder?

00:28:14: Wie habt ihr das gemacht?

00:28:15: Ich sag mal so, wer super Märkte betreibt, der weiß ja, wie kompliziert es sein kann.

00:28:21: Natürlich kann man seinen Großhandel anhauen und sagen, wir brauchen dann die Ware zurück, aber wir haben ja auch X-Freiraumlieferanten, Direktlieferanten.

00:28:31: Das muss ja auch alles irgendwie organisiert sein.

00:28:34: Das Gute ist natürlich, dass wir noch zwei andere Märkte haben.

00:28:37: Das heißt, wir konnten uns dann da so ein bisschen bedienen und ... Und hatten ja auch ganz viel Schokolade zum Verteilen für die Kunden als Wiedergutmachung, weil wir ja den Tag danach natürlich nicht aufmachen konnten.

00:28:50: Also, Mr.

00:28:50: Beast selber hat ... Na, wieso?

00:28:53: Dann macht er halt am nächsten Tag wieder auf.

00:28:55: Moment.

00:28:56: Nee.

00:28:57: Ist dir jetzt

00:28:58: nicht ... Also, es war auf jeden Fall eine krasse Erfahrung.

00:29:01: Ja, also, Puh, hätte ich nicht gedacht ... Also, hab ich noch nie erlebt vorher.

00:29:07: Und wie lange hat das gedauert, bis die Regale wieder voll waren?

00:29:11: Na ja, so zwei Tage.

00:29:13: Hat das schon dauert.

00:29:15: Einen Tag Trocken-Sortiment, einen Tag Kühlstrecke.

00:29:20: Aber wir hatten dann auch noch geschlossen, darf man jetzt auch nicht vergessen.

00:29:23: Und dann geht es ja eigentlich relativ schnell.

00:29:26: Wir hatten auch ein bisschen Hilfe noch aus den anderen Märkten und auch aus dem Vertrieb, die haben uns auch gut geholfen.

00:29:32: Und es war ja schon klar, wo was hinkommt.

00:29:34: Es wurde nicht komplett neu gespiegelt, sondern ... Aber

00:29:38: das war schon ... Das habt ihr nicht gemacht, wenn schon mal alles leer ist, umbauen.

00:29:42: Das habt ihr nicht gemacht.

00:29:43: Das haben wir in dem Fall nicht gemacht.

00:29:45: Wir waren froh, dass die Ware im Regal war und das alles wieder ... Aber an dem Abend selber dachte ich, das Ding ist jetzt in Schutt und Asche.

00:29:56: Komisches Gefühl, wenn man als Endlerin nichts mehr verkaufen kann.

00:29:59: Ja,

00:30:00: und auch überall das Filmteam.

00:30:03: Der Pausenraum war vollgestellt mit Monitoren, mit Kameras, mit ... Es war so die Leitzentrale.

00:30:10: Draußen war dann die amerikanische Produktion, die ganzen Trailer.

00:30:14: Neben der Bülostraße, da ist die Steinmetstraße, die war komplett abgesperrt.

00:30:20: Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie groß das war.

00:30:23: Das war echt ein Riesending.

00:30:27: Krasser Erfahrung irgendwie.

00:30:28: Und da reden doch bestimmt die Mitarbeiter immer noch von, oder?

00:30:31: War das für die aufregend?

00:30:33: Oder haben die gesagt, die Schaffeln hat sie nicht mehr alle?

00:30:36: Ich glaube, es ist beides.

00:30:38: Sowohl als auch.

00:30:40: Sowohl als auch, genau.

00:30:45: Also die jüngeren und gerade die männlichen jüngeren Mitarbeiter, die kannten Mr.

00:30:50: Beast alle.

00:30:51: Also und für die war das auch super aufregend.

00:30:53: Das glaube ich, ja.

00:30:56: Wenn wir mal so auf die Selbstständigkeit gucken, wenn du jetzt Kollegen hättest, die in die Selbstständigkeit wollen, was würdest du den raten?

00:31:05: Händler werden, Kaufrau werden.

00:31:08: Ja, mutig sein auf jeden Fall.

00:31:10: Ich glaube, da braucht man ein ganz riesiges Paket von ja und sich selber Prioritäten setzen, sich selber auch nicht vergessen.

00:31:23: Ja, aber das Prioritäten setzen ist glaube ich ganz, ganz, ganz wichtig, dass man sich darüber im Klaren ist, dass man gerade in den ersten Jahren Wirklich nur dafür lebt, das ist jedenfalls meine Erfahrung, später natürlich auch noch, aber dass man da auch viel lernen muss, loszulassen.

00:31:40: Und dass man nicht alles auf einmal machen kann?

00:31:42: Genau.

00:31:43: Und dass man auch zulassen sollte, dass andere Dinge anders lösen.

00:31:51: Also ich hab ja in meinen Märkten auch Marktleiter und Marktleiterinnen und die machen bestimmt auch Dinge anders, als ich sie vielleicht machen würde, also jetzt im Detail natürlich.

00:32:01: Arbeiten alle Märkte, so wie ich mir das vorstelle.

00:32:03: Aber trotzdem werden kleine Stellschrauben von jedem anders gemacht oder gelöst.

00:32:08: Und das Zuzulassen ist auch ein großer Schritt.

00:32:10: Und das vielleicht schon rechtzeitig erkennen, dass das wichtig ist.

00:32:15: Zuzulassen, dass andere Dinge anders machen und das Ergebnis ist trotzdem gut.

00:32:19: Und das viel mir am Anfang sehr, sehr schwer.

00:32:21: Das glaube ich, das glaube ich.

00:32:25: Du wünschst dir mehr weibliche Stimmen bei Edeka.

00:32:27: Was meinst du denn aus deiner Sicht, was würde sich da konkret ändern?

00:32:32: wenn es mehr Frauen gäbe.

00:32:33: Ich würde mir erhoffen, dass besser kommuniziert wird und Entscheidungen, also, dass man besser zu Entscheidungen kommt oder überlegt da vielleicht, weil ich finde, dass Frauen in vielen Dingen bessere Kompetenzen haben und auch mal weiter blicken können.

00:32:55: Weil ich hier zum Beispiel ...

00:32:56: Weil sie viel mehr abdecken müssen.

00:32:58: Meine Erfahrung ist, dass Frauen oft ... vor Führungspositionen zum Beispiel zurückstecken oder zurückschrecken viel mehr, weil sie davor Angst haben, dass sie das alles komplett nicht schaffen.

00:33:10: Was ich total verstehe, weil es ja immer noch so ist, dass Frauen meistens, das ist jetzt sehr pauschal gesagt, aber würde ich sagen flächendeckend, sich auch um den Haushalt und die Kinder kümmern nach wie vor und die ganze Kehrarbeit leisten.

00:33:25: Und wenn man dazu noch Eine Führungsposition hat gerade im Handel, wo ja auch die Zeiten nicht so einfach sind, gerade im Schichtdienst und so was alles.

00:33:34: Das verstehe ich total, dass wenn man jetzt zum Beispiel einen Job annimmt oder sich selbstständig macht und dann nebenbei in Anführungszeichen sich noch um Kind, Haushalt und weihweise Mann, Frau, whatever kümmern muss, ist es natürlich total anstrengend.

00:33:53: Und ich finde, mein Lieblingssatz ist ja immer, dass wenn man auf Veranstaltungen oder sowas hört, man ganz oft von Männern, die ja auf dem Podium stehen, dass die sagen, ich möchte in erster Linie meiner Frau danken, dass sie mir so den Rücken frei hält, damit ich meine Arbeit machen kann.

00:34:08: oder, oder, oder, sagen Frauen nicht so oft, glaube ich, wenn sie anfangen, redet die Männer auch

00:34:16: nicht.

00:34:17: Das hast du jetzt gesagt.

00:34:20: Weißt du, was ich meine?

00:34:21: Und das würde ich mir einfach mehr wünschen, dass erstens da Frauen mehr gesehen werden, weil ich glaube, dass sie unheimlich viel leisten und unheimlich viel auch gut organisieren können.

00:34:33: Ich will jetzt gar nicht sagen viel besser als die Männer, aber ... Wir müssen tagsüber so viel organisieren und machen.

00:34:41: Und ich würde es auch schön finden, wenn es mal eine Frau geben würde, die sagt, ich möchte jetzt als erstes mal meinem Mann danken, dass er mir zu Hause so den Rücken frei hält.

00:34:50: So was gibt es.

00:34:51: Also ganz sicher.

00:34:53: Natürlich gibt es das.

00:34:54: Aber es ist nicht so gang und gäbe, wie es andersrum ist.

00:34:59: Und ich glaube, dass wir, wenn wir da Frauen mehr unterstützen, und ich hab da halt auch noch kein Konzept.

00:35:05: Ich versuche, das über ein Coaching zu lösen, einfach um zu unterstützen, dass sich Frauen mehr austauschen darüber, wie schwer das ist oder was man daran ändern kann.

00:35:14: Ich weiß es aber leider auch noch nicht, wie es geht.

00:35:17: Schließen wir mal damit, dass wir sagen, mehr Frauen im Handel wäre doch schön und mehr Frauen im Führungspositionen wären noch schöner.

00:35:26: Ich bedanke mich bei dir, Sandra, für deine Offenheit.

00:35:29: Es war sehr spannend, was du heute erzählt hast.

00:35:31: Danke.

00:35:33: Und wir haben uns sehr gefreut, dass du zugesagt hast.

00:35:36: Und ich glaube, da sind so einige Ideen drin, die andere nachahmen können, ohne sie nachzumachen.

00:35:43: Bitte gerne.

00:35:44: Danke.

00:35:44: Ich danke auch.

00:35:45: Hat Spaß gemacht.

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